Da bleibt kein Auge trocken

Vor kurzem waren wir in Amritsar. Diesmal nur zu zweit. Mit der ganzen Familie (bzw vor allem mit Kindern) ist es dann doch immer alles recht stressig und man kommt nicht wirklich dazu, Dinge zu tun, die man gerne mal probieren moechte, Ort zu besuchen, die man sich sonst nicht ansehen wuerde.
So machten wir uns also frueh auf, um ungefaehr zur Mittagszeit im Golden Temple in Amritsar zu sein. In eineinhalb Jahren hat sich hier so einiges veraendert. Nicht die Anlage selbst – aber das Drumherum. Baustellen wohin das Auge sieht. Da verliert man schon mal schnell die Orientierung, wo zBsp. die Schuhe abzugeben sind. Damals gab’s eine grosse Halle, zu der man ein paar Stufen hinab steigen musste. Nun aber – weg. Dafuer gab’s eine kleine Abgabestation und viel Getummel. Ueberhaupt war es diesmal sehr voll. Ich dachte, die Schlange beim letzten Mal waere lang gewesen. Aber denkste, es geht noch laenger. Diesmal allerdings ohne improvisierte Schattenspender und Ventilatoren. Wer da in der Mittagssonne gewartet hat, verdient meinen Respekt. Wir haben darauf verzichtet, denn am Abend wuerden wir sowieso nochmal vorbei schauen – da ist dann sicherlich weniger los (ein anderer Fall von „denkste“). Stattdessen drehten wir nur gemuetlich unsere Runde um die Anlage, beobachteten diverse Leute (und sie uns) und gingen schliesslich Richtung Langar Hall.
Langar bezeichnet die Speisung, die es in jedem Gurdwara gibt. Willkommen ist jeder, egal welcher Religion und Nationalitaet, und im Golden Temple sogar 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Auf dem Weg zur Halle kam uns schon ein Riesenkrach entgegen. Direkt nebenan wurde die Masse an Geschirr systematisch gespuelt. Da es aus Stahl ist, fliegt alles kreuz und quer durch die Gegend und scheppert ordentlich. Dazu ein anderes Mal aber mehr. Mit Teller, Loeffel und Schuessel ausgestattet, warteten wir also vor der Halle. Es geht hier alles sehr durchorganisiert zu. Waehrend drinnen eine Speisung stattfindet und die Halle voll ist, wird keiner reingelassen. Ist die Halle leer, darf die naechste Gruppe rein. Man koennte meinen, alle Anwesenden hatten an diesem Tag (oder gar laenger) noch nichts gegessen. Oder aber sie fluechteten wie ich vor den Zwiebeldaempfen, die sich vor der Halle ausbreiteten. Dutzende Menschen waren mit dem Schaelen und Kleinschneiden am anderen Ende der Kuechenbereichs beschaeftigt. Dank diverser Ventilatoren wurden die Scharfstoffe aber wunderbar in unsere Richtung verteilt und nicht nur mir lief das Wasser die Wangen hinunter. Drinnen gab es dann Chole (Kichererbsen …ich will nicht sagen „schon wieder“, aber zu dem Zeitpunkt konnte ich sie langsam nicht mehr sehen :roll:), Roti (Fladenbrot) und Kheer ( 😆 Milchreis) sowie Wasser (wir verzichteten in Anbetracht vergangener Ereignisse :P).
Es war nicht das erste Langar fuer mich, allerdings das erste Mal im Golden Temple. Und es war auch toll, hier einmal gespeist zu haben. Ich kann auch verstehen, dass auf Grund der Menschenmassen alles „schnell schnell“ gehen muss und kaum Zeit fuer Hoeflichkeiten bleibt. Ich kenne es aber durchaus aus anderen Gurdwaras, dass das Essen nicht nur so auf Teller und Haende (Roti) fliegt (und somit gerne auch mal „daneben“ – sehr rutschige Angelegenheit), sondern angemessen verteilt wird – und wenn ein kleines Maedchen, das offensichtlich die Speisung nutzt, um nicht auf der Strasse betteln zu muessen, um ein zweites Roti bittet, dann sollte sie es auch bekommen.

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2 Gedanken zu „Da bleibt kein Auge trocken

  1. Keine Sonnenverdecks und Ventilatoren im Goldenen Tempel???
    Ich verstehe, dass Ihr da nicht gewartet habt!

    Wenn ich Deine Berichte so lese, fühle ich mich total zurückversetzt…
    Vor einem Jahr habe ich ähnliches geschrieben auf meinem Blog… 😉
    Da kommen einige Erinnerungen zurück!

    • Ich werde noch Bilder posten, da siehste es dann. Es gab nur im Bereich vor der „Bruecke“ Ventilatoren, ansonsten waren die Leute der prallen Sonne ausgesetzt.
      Was deine Erinnerungen angeht, so hoffe ich, dass es nur die guten sind, an deine Zeit in Indien 😉

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