Ganne da rass – Prost!

Nach den letzten beiden Beiträgen zum Thema Zuckerrohr…nun noch einer 😉
Denn das, was auch für die Herstellung von Ghur aus dem Rohr gepresst wird, der Zuckerrohrsaft, schmeckt mir im Vergleich zu dem Zuckerklumpen umso mehr.
Saftverkäufer findet man im wahrsten Sinne des Wortes an jeder Ecke.
Wir waren gerade nach einem Shopping-Trip in Jalandhar auf dem Weg nach Hause. Die Sonne knallte mal wieder unerbärmlich auf die Helme. An einer Kreuzung stand ein Herr, ausgerüstet mit Generator-betriebener Presse, Zuckerrohr, Minze, nem Eisblock und ein paar Gläsern. Eine willkommene Erfrischung wartete dort also auf uns!
Nach meinem Erlebnis 2010 bin ich ja eher vorsichtig, was Flüssigkeiten vom Straßenrand angeht…aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Wir baten vorher noch freundlich um eine Reinigung der Gläser. Sorgfältig Provisorisch wurde dieser Wunsch erfüllt.
Aber kurz zur Herstellung:
Das Zuckerrohr wird ein erstes Mal durch die Walze geschoben. Ein paar wenige Tropfen werden gewonnen. Beim zweiten Durchgang werden noch ein paar frische Minzblätter mitgepresst. Für den besseren Geschmack. Durchaus empfehlenswert.Und es kommt doch deutlich mehr Saft nach zwei-drei Durchgängen raus. Auf der anderen Seite der Walze wird der Saft in einer kleinen sauberen Schüssel aufgefangen, in der sich ein Eisblock befindet. Ich habe es vorgezogen, mir keine Gedanken darüber zu machen, aus welchem Wasser das Eis gemacht wurde. Letztlich ist ja auch alles gut gegangen *klopft auf Holz*
Anschließend wird der kalte Saft durch ein ebenso sauberes Sieb in die Gläser gegeben. Manch einer mag noch ein bisschen Salz in seinem Saft (Danke, ich verzichte! 😳 ) und schon ist diese leckere Erfrischung fertig. 20 Rupien. Prost!


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Auf stillen Pfaden

Anfang März. Der Wecker klingelt. Es ist 5:30Uhr. Ich habe mir vorgenommen, morgens die Milch zu holen. Spätestens um 6:30Uhr muss ich los…zumindest solange hier noch „Winterzeit“ herrscht. In ein paar Wochen heißt es: noch eine Stunde früher los.
„Wie jetzt? Milch holen? Der Supermarkt macht doch vor 8Uhr nicht auf.“ mag der ein oder andere jetzt denken. Und es stimmt. Der Milchhändler um die Ecke, der auch täglich zum Beispiel frischen Paneer (Käse) herstellt, hat seine Rollläden noch lange nicht hochgefahren.
Nein, es geht um frische Milch. Frisch aus dem Euter in die Milchkanne. Die trinkt man natürlich nicht einfach so. Aufkochen, abkühlen, Rahm abschöpfen, vielleicht noch einen Lassi zubereiten oder selbst Paneer herstellen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig aber: sie muss frisch sein.
Milch im Tetrapak? Gibt’s nur in der Werbung. Joghurt im Becher? Gibt’s nur in der Werbung….etc pp. Warum teuer kaufen, wenn es günstig selbst gemacht wird (oder zumindest günstig beim Joghurt-Spezialisten um die Ecke gekauft werden kann)…?
Aber zurück zum eigentlich Thema: Es ist nun kurz vor 6Uhr. Draussen ist es noch recht kühl. Eine Decke und eine Mütze machen aber auch den morgendlichen Spaziergang ganz angenehm.
Die Straßen sind noch leer. Straßenhunde liegen zusammengerollt vor den Haustüren, schenken sich gegenseitg Wärme. Hier und da ertönt eine Hupe. Wer nicht zu Fuß geht, kommt mit dem Roller. Nach knapp 20 Minuten bin ich beim Milchbauern angelangt. Nicht alleine, es warten schon einige Herrschaften. Aber nicht lange und ein großer Eimer warm dampfender Milch steht bereit und die kleinen Milchkannen der Kunden werden befüllt.
22 Rupien kostet ein Kilo Milch. Das sind ca. 30 Cent.
Der Weg zurück ist dann oft schon hektischer. Es sind bereits mehr Menschen unterwegs. Mehr Autos und Motorräder. Auch die ersten Händler haben ihre Geschäfte eröffnet.
Und so freue ich mich auf den nächsten nebligen Morgen, an dem die Straßen wieder so leer sein werden und die Stille alles übertönt:

Schau mir in die Flöte, Kleines!

In der Touristenhochburg Jaipur findet sich alles, was das Touri-Herz begehrt: diverse Sehenswürdigkeiten wie den Palast der Winde (Hawa Mahal), City Palace und Jantar Mantar (astrologische Anlage). Vor letzterem gibt es neben den üblichen Straßenverkäufern, sich anbiedernden „Tour Guides“ (wobei hier sogar mit Lizenz) auch Schlangenbeschwörer.
Ihre Kleidung typisch Rajasthani, die Instrumente und Körbe wie aus 1001 Nacht anmutend:

Einzig ihre modifizierten Instrumente verraten: wir sind in der Neuzeit angekommen. Für’s Auge wirklich ansehnlich …für die Ohren eher nicht:

Dass die Schlangen nicht nach dem Gedudel des Schlangenbeschwörers gehen, ist wohl allen klar und im Video auch gut ersichtlich. Vielmehr sind die geplagten und gestressten Tierchen geblendet vom Licht, wenn sie mal aus dem Korb „raus“ dürfen und orientieren sich am Luftzug, der durch die Flöte verursacht wird.

Neben Jaipur traf ich auch in Pushkar auf einen derartigen Schlangenbeschwörer. Wobei dieser mit seinen Kollegen aus Jaipur nichts mehr gemeinsam hatte. In einem kleinen Bastkörbchen trug er seine Schlange durch die Gegend (in diesem Fall: über einen großen Parkplatz) und wollte sie jedem auf den Arm legen, der nicht bei 3 auf dem Baum war. Auch mir. Ich habe doch lieber dankend abgelehnt.