Bis hierhin und nicht weiter

*Blog entstaub*
Ich mag ja solche Schilder 😀

Train Station Nurmahal, Punjabi (India)

Hinweisschild am Bahnhof Nurmahal

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I don’t like Cricket 2 …

…I love it nachwievor. Zwar hat die IPL dieses Jahr nen äußerst faden Beigeschmack – diversen Mauscheleien sei dank. Aber da geht es den Menschen wie den Leuten – in welchem Sport wird heute nicht mehr manipuliert?

Da lob ich mir doch das gute alte Street Cricket. Platz dafür gibt’s überall. Ob – wie der Name schon sagt – auf der Straße oder den großen Dächern der Stadt. Die Fensterscheiben der Nachbarn sollten allerdings bruchsicher sein – oder die Spieler schnell zu Fuß 😀 Sein ganz eigenen Regeln hat es noch dazu. 😆

Im März 2012 hatte ich jede Menge Spaß mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Und sie hoffentlich auch :).

Es grünt so grün…

…das grüne Gras.
Gras
Auf einem benachbarten Grundstück fiel mir Anfang Februar dieses zunächst unscheinbare Grünzeug in’s Auge. Man würde auch einfach Unkraut dazu sagen ;).
Lustig einerseits, erschreckend allerdings, wenn man solche Berichte aus dem Punjab liest:

http://www.dw.de/drogenepidemie-in-punjab/a-16687864

Ende 2012 kam eine offizielle Studie der örtlichen Regierung zu dem Schluss, dass in bis zu 67 Prozent aller ländlichen Haushalte im Punjab mindestens ein Drogensüchtiger lebt.

In diesem Sinne: Keine Macht den Drogen! 😡

Republic Day

Am 26. Januar wird alljährlich in Indien der Tag der Republik gefeiert. An diesem Tag trat 1950 die indische Verfassung in Kraft. In Delhi gibt es dann ne ordentliche Militärparade – man zeigt, was man hat :roll:.

In Nurmahal gibt es solch eine Parade nicht, dafür wird von den Schulen ein kleines Programm zusammengestellt. Fand ich auch viel ansprechender.
Republic Day 2013
So wurde fleißig getanzt, gesungen und auch ein wenig Politik, religiöse Pseudogeistliche und auch das Problem der Korruption durch den Kakao gezogen. Wohlgemerkt durch die Kids :lol:.

Mein Highlight war allerdings eine kleine Tanzgruppe aus einem Kindergarten. Diese dürften zu Zoobi Doobi aus ‚3 idiots‘ ihre Choreographie zum Besten geben – zum Schießen! 😆
Zoobi Doobi beim Republic Day

Und für die, die das Lied nicht kennen:

Top of the Pops

Dank einer Party irgendwo hier um die Ecke, die freundlicherweise bis spät nachts ging und die halbe Stadt beschallte, bin ich jetzt voll auf dem Laufenden, was die beliebtesten Hits aktuell hier sind.
Neben Party“klassikern“ wie Sheila Ki Jawani und Munni Badnam Hui, hat es auch der weltweite Hit Gangnam Style auf die Tracklist des DJs geschafft. Mein absoluter Lieblingssong der Nacht war hingegen Angreji Beat von Yo Yo Honey Singh (*was* für ein Name!) bzw. aus dem Film Cocktail.
Dank des dynamischen Basses konnte man jeden Beat nicht nur hören, sondern auch spüren :lol:. Einziger Minuspunkt: die Titel wurden eigentlich immer nur angespielt, meist natürlich der bekannte Refrain :roll:.

Meine Top 5 der mir bekannten Songs gespielten Tracks:

5. Dhinka Chika (Ready)

4. Hookah Bar (Khiladi 786)

3. Munni Badnaam Hui (Dabangg)

2. Sheila Ki Jawani (Tees Maar Khan)

1. Angreji Beat (bei 1:47 geht’s auch endlich los…Video aus Cockteil wird von Eros leider gesperrt)

…4 Songs aus Bollywoodfilmen, 1 Punjabi Hit, der aus nem BW Film stammt…nicht wirklich sehr repräsentativ für die aktuelle musikalische Hitparade des Punjabs :D.

Drachenläufer

Einige von euch kennen sicher Khaled Hosseinis Bestseller „Drachenläufer“. Wer nicht gern liest, kennt wiederum vielleicht die Verfilmung. Gleich zu Beginn wird gezeigt, wie Kinder mit Drachen spielen. Dabei geht es nicht so profan zu wie bei uns – hochsteigen lassen und ein wenig lenken – sondern es entbricht ein richtiger Wettkampf. Die Leinen sind mit feinem Glasstaub präpariert, so dass man die Schnur eines anderen Drachen mit viel Geschick durchschneiden kann. Der Titel des Buches bezieht sich wiederum auf Kinder, die den Drachen nachlaufen und sie als Trophäen einsammeln.

…und was wäre Lohri ohne eben jenen Wettkampf? Läufer gibt es hier keine, auch wenn es durchaus als Herausforderung gilt, einen Drachen mit der eigenen Leine einzufangen und damit dann weiterzuspielen. Hat man einen Gegner vom Himmel geholt, wird das mit viel Geschrei und Gejohle gefeiert. Die Geräuschkulisse am Wochenende (12.-13.01.) war dementsprechend :lol:.

Ich war mal wieder erstaunt, wie unfassbar billig manches hier ist. Da würde man annehmen, bei solchen Festen wird vielleicht der große Reibach gemacht – aber nichts da: ein Drachen kostet 2Rs….kein Wunder also, dass diese gleich stapelweise mit nach Hause geschleppt werden und ein Verlust leicht zu verkraften ist.
Gefertigt sind sie aus einfachem Pergament oder dünner Folie. Die Schnur ist extra zu kaufen und wohl auch das teuerste an der ganzen Sache (300Rs). Hält aber ewig und drei Tage und stellt eine gute Investition dar :lol:.
Hinzu kommen anschließend noch diverse Pflaster, denn so eine Schnur schneidet auch gut ins Fleisch :roll:.

Von Gol Gappa bis Aloo Tikki

Was macht man als erstes, wenn man in Indien ankommt? Richtig, man geht zum erstbesten Straßenstand und kultiviert den Magen-Darm-Trakt mit den hiesigen Erregern. So kann in den Wochen drauf kommen was will, es macht nichts aus.(*)
So ging es also am Dienstag (08.01.13) direkt zum Basar zu unserem Stamm-Gol-Gappa-Verkäufer in Nurmahal (Cheema Bazar für die Ortskundigen ;)). Eigentlich eher spontan, denn zu dieser kalten Jahreszeit (ha, ich sitze gerade in der Sonne und mir ist doch tatsächlich warm :D) ist Gol Gappa nicht gerade der angesagteste Snack für Zwischendurch. Daher dachten wir auch, dass der Stand gar nicht da wäre. Doch als wir am späten Nachmittag unsere Runde drehten, sprach uns gleich ein Bekannter an. Die kulinarische Vorliebe hat wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen :lol:.
Auf meiner Liste „Was ich unbedingt mal wieder essen möchte“ standen außerdem Aloo Tikki und Papri Chat.
Aloo Tikki sind eine Art Frikadellen aus Kartoffelbrei, frittiert in bestem Öl :roll:. Dazu ein paar frische Zwiebeln, grünes Chutney und ein wenig Raita (Joghurt). Hach herrlich! Und so schön heiß. Papri Chat ist ebenfalls (wie sollte es eigentlich auch anders sein?!) knusprig frittierter Teig, dazu ein wenig Palle (…weicher Teigklumpen), ein Gol Gappa, ein wenig Chutney, Raita und die obligatorischen Zwiebeln. Ebenfalls lecker, aber da kalt eher was für die warmen Tage.
Wer mal in Jalandhar unterwegs sein sollte, sei der Tikkiwala beim Rainak Bazar empfohlen, da gibt’s alles zu fairen Preisen (20Rs pro Portion) und vor allem frisch.

Tikkiwala beim Rainak Bazar

Tikkiwala beim Rainak Bazar


(*)Obige Anleitung gilt natürlich nur für Leichtsinnige, Wagemutige und Indienkenner. Ich würde mich – zumindest was die Straßenstände angeht – zur letzten Kategorie zählen. So langsam hat man ja seine Lieblingsstände, bei denen *klopf auf Holz* alles vernünftig abläuft. Ich möchte sogar behaupten, dass manches hier frischer ist als bei der ein oder anderen Fritten- oder Dönerbude in Deutschland. Gammelfleisch wird einem hier wohl kaum unterkommen :lol:.

Gol Gappa!

Zur Feier des gestrigen Tages (Karwa Chauth, siehe Artikel vom letzten Jahr hier *klick*) gab es am Abend Gol Gappa. Ich liebe diese kleinen frittierten Bällchen, die mit Zwiebeln, Kartoffeln und Chole (Kichererbsen) gefüllt in eine Masala-Tunke getaucht werden. Das „erste Mal“ war noch gewöhnungsbedürftig. Auf Grund der Fülle an Gewürzen ist der hiesige Gaumen dieses Geschmackserlebnis noch nicht gewöhnt. Aber das geht ganz fix. Beißt man einmal ordentlich zu, platzen die Gol Gappa im Mund…wahrlich eine Geschmacksexplosion.
In Indien haben wir uns abends gern nochmal auf einen Spaziergang gemacht. Dieser führte eigentlich immer recht zielstebig zum Lamba Bazaar in Nurmahal zu einem Gol Gappa Stand. In einem riesigen Behälter lagen jede Menge für uns bereit. Meist haben wir es bei 4-6 Stück belassen. Schließlich sollte das Abendessen daheim auch noch rein passen ;).
Alle meine Bedenken (Hygiene?!) habe ich direkt über Bord geworfen und bin auch nicht enttäuscht worden. Dazu sei gesagt, dass die frittierten, hohlen Bällchen mit dem Daumen eingedrückt werden, dann per Hand mit der Masse aus Kartoffeln, Zwiebeln und Chole gefüllt werden und anschließend in die Soße getaucht werden
– vom Verkäufer :oops:!
Wer es zu Hause auch mal ausprobieren möchte, diese Dame hat ein sehr schönes Video online gestellt:

Kurz übersetzt:

  • eine Tasse Feingries
  • eine Tasse Weizenmehl
  • eine Tasse Wasser (evtl. mehr)
  • Teig gut durchkneten, mit ein wenig Öl bestreichen
  • Ausrollen, ausstechen, Rand ausrollen, frittieren (bei mittlerer Hitze)…

Die Soße muss man nicht selbst machen, es gibt auch eine Fertigmischung beim indischen Lebensmittelhändler namens Pani Puri (ach, auch die Gol Gappa gibt’s in ner Fertigpackung…spart natürlich extrem viel Aufwand).
Ansonsten kommt hinein:

  • Koriander
  • Minze
  • Chilli
  • Ingwer
  • Pfeffer
  • Salz
  • (Tamarinde)
  • Zitrone
  • Wasser und ein wenig Kreuzkümmelpulver.

Als Kontrast noch ein süßes Chutney dazu…mhhhh lecker!

Und wenn es schmeckt, kann man auch gerne mal einen Wettbewerb starten – das sieht dann so aus: 😀

PS: vom Verkäufer unseres Vertrauens habe ich leider kein Foto (nächstes Mal *auf Liste schreib*), aber in Jalandhar stand mir dieser Herr kurz Model 😉

Gol Gappa Verkäufer beim Befüllen. Vor ihm die Kartoffelmischung, daneben Masala-Soße.

Aus Alt mach Neu – 2

Aus der beliebten Rubrik 😉 – hier mal ein kleiner Beleg dafür, dass manchenorts doch Wert auf den Erhalt von historischen Gebäuden gelegt wird.
Ein Großteil des Sarai Nurmahals ist dem Verfall schon nahe. Das Haupttor „strahlt“ zwar mit seinen Reliefs noch einen Hauch von Architekturkunst aus…aber vor allem der hintere Teil des Geländes bedarf viel Mühe. Ein Anfang aber ist gemacht:

Sarai Nurmahal 2010 – es gibt einen Weg…oder eher Trampelpfad, auch die Ummauerung im Hintergrund fehlt fast komplett

Sarai Nurmahal 2012 – der Weg ist gepflastert, die Mauern von Unrat befreit und kurz vor der Restauration.

Sarai Nurmahal 2010 – ein Seitengebäude wird provisorisch gestützt. Die ersten Bauarbeiten beginnen.

Sarai Nurmahal 2012 – das Seitengebäude ist fertig restauriert.

Auf stillen Pfaden

Anfang März. Der Wecker klingelt. Es ist 5:30Uhr. Ich habe mir vorgenommen, morgens die Milch zu holen. Spätestens um 6:30Uhr muss ich los…zumindest solange hier noch „Winterzeit“ herrscht. In ein paar Wochen heißt es: noch eine Stunde früher los.
„Wie jetzt? Milch holen? Der Supermarkt macht doch vor 8Uhr nicht auf.“ mag der ein oder andere jetzt denken. Und es stimmt. Der Milchhändler um die Ecke, der auch täglich zum Beispiel frischen Paneer (Käse) herstellt, hat seine Rollläden noch lange nicht hochgefahren.
Nein, es geht um frische Milch. Frisch aus dem Euter in die Milchkanne. Die trinkt man natürlich nicht einfach so. Aufkochen, abkühlen, Rahm abschöpfen, vielleicht noch einen Lassi zubereiten oder selbst Paneer herstellen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig aber: sie muss frisch sein.
Milch im Tetrapak? Gibt’s nur in der Werbung. Joghurt im Becher? Gibt’s nur in der Werbung….etc pp. Warum teuer kaufen, wenn es günstig selbst gemacht wird (oder zumindest günstig beim Joghurt-Spezialisten um die Ecke gekauft werden kann)…?
Aber zurück zum eigentlich Thema: Es ist nun kurz vor 6Uhr. Draussen ist es noch recht kühl. Eine Decke und eine Mütze machen aber auch den morgendlichen Spaziergang ganz angenehm.
Die Straßen sind noch leer. Straßenhunde liegen zusammengerollt vor den Haustüren, schenken sich gegenseitg Wärme. Hier und da ertönt eine Hupe. Wer nicht zu Fuß geht, kommt mit dem Roller. Nach knapp 20 Minuten bin ich beim Milchbauern angelangt. Nicht alleine, es warten schon einige Herrschaften. Aber nicht lange und ein großer Eimer warm dampfender Milch steht bereit und die kleinen Milchkannen der Kunden werden befüllt.
22 Rupien kostet ein Kilo Milch. Das sind ca. 30 Cent.
Der Weg zurück ist dann oft schon hektischer. Es sind bereits mehr Menschen unterwegs. Mehr Autos und Motorräder. Auch die ersten Händler haben ihre Geschäfte eröffnet.
Und so freue ich mich auf den nächsten nebligen Morgen, an dem die Straßen wieder so leer sein werden und die Stille alles übertönt: