Es grünt so grün…

…das grüne Gras.
Gras
Auf einem benachbarten Grundstück fiel mir Anfang Februar dieses zunächst unscheinbare Grünzeug in’s Auge. Man würde auch einfach Unkraut dazu sagen ;).
Lustig einerseits, erschreckend allerdings, wenn man solche Berichte aus dem Punjab liest:

http://www.dw.de/drogenepidemie-in-punjab/a-16687864

Ende 2012 kam eine offizielle Studie der örtlichen Regierung zu dem Schluss, dass in bis zu 67 Prozent aller ländlichen Haushalte im Punjab mindestens ein Drogensüchtiger lebt.

In diesem Sinne: Keine Macht den Drogen! 😡

Zeit zum Nachdenken

Eigentlich müsste ich jetzt von Verlobungen, Hochzeiten, dem Goldenen Tempel und sonstigen großen und kleinen Ereignissen berichten. Aber ich fange von hinten an:
der Rückreise.

An sich immer ein trauriges Ereignis. Abschiede fallen mir immer schwer – auch wenn sie nur auf (unbestimmte) Zeit sind. Beim letzten Mal wusste ich nicht, dass ich im Januar schon wieder auf indischen Boden stehen würde. Dementsprechend mau war die Stimmung. Dieses Mal war aber klar: im Oktober wird es wieder zurückgehen, die große Party soll dann steigen :lol:. Daher fiel der Abschied am Flughafen eher tränenarm und recht kurz aus (u.a. auch dem Umstand geschuldet, dass wir dank eines übernächtigten Fahrers, dem wir eine Zwangspause verordneten, kurz vor knapp ankamen).

Nach der Sicherheitskontrolle und dem obligatorischen Anstehen beim Boarding (als wenn plötzlich die Tür zugehen könnte und man nicht mehr mitkäme :roll:) ging es dann auch endlich in den Flieger – oder auch nicht. Eine gefühlte Ewigkeit standen wir noch in der Schleuse und warteten, dass im Inneren alle Vorbereitungen abgeschlossen sind. Das ging ja schon gut los! Weiterlesen

Republic Day

Am 26. Januar wird alljährlich in Indien der Tag der Republik gefeiert. An diesem Tag trat 1950 die indische Verfassung in Kraft. In Delhi gibt es dann ne ordentliche Militärparade – man zeigt, was man hat :roll:.

In Nurmahal gibt es solch eine Parade nicht, dafür wird von den Schulen ein kleines Programm zusammengestellt. Fand ich auch viel ansprechender.
Republic Day 2013
So wurde fleißig getanzt, gesungen und auch ein wenig Politik, religiöse Pseudogeistliche und auch das Problem der Korruption durch den Kakao gezogen. Wohlgemerkt durch die Kids :lol:.

Mein Highlight war allerdings eine kleine Tanzgruppe aus einem Kindergarten. Diese dürften zu Zoobi Doobi aus ‚3 idiots‘ ihre Choreographie zum Besten geben – zum Schießen! 😆
Zoobi Doobi beim Republic Day

Und für die, die das Lied nicht kennen:

Neulich im Drug Store

„Einmal Paracetamol bitte!“
Kurzes Schweigen des Verkäufers*.
„Das hab ich leider nicht. Aber ich kann Ihnen ein Mittel geben, dass noch besser bei Schmerzen hilft.“
Der werte Herr kramt in seiner Vitrine und zieht einen Blisterstreifen hervor. Ich betrachte ihn genauer und muss schmunzeln. Als Wirkstoff ist Acetaminophen angegeben.
Er betont nochmal, dass es sich um ein sehr gutes Mittel handelt (und der Preis von 1 Rs pro Stück ist auch unschlagbar ;)) – und ich stimme ihm zu.
Schließlich verkauft er mir gerade Paracetamol :roll:.

*Verkäufer deshalb, weil er sich offensichtlich selbst disqualifiziert hat, als Pharmazeut oder Chemiker bezeichnet werden zu können.
Erschreckend, wenn schon der „Experte“ keinen Plan hat – von den noch weniger aufgeklärten Konsumenten, die beim kleinsten Schnupfen Antibiotika zu schlucken bekommen, ganz zu schweigen 😮

Nächster Versuch: Ambroxol (sollte eigentlich klappen, Mucolite ist hier ein durchaus bekanntes Mittel….aber es geht ja um den Wirkstoffnamen-Test :lol:.

 

Top of the Pops

Dank einer Party irgendwo hier um die Ecke, die freundlicherweise bis spät nachts ging und die halbe Stadt beschallte, bin ich jetzt voll auf dem Laufenden, was die beliebtesten Hits aktuell hier sind.
Neben Party“klassikern“ wie Sheila Ki Jawani und Munni Badnam Hui, hat es auch der weltweite Hit Gangnam Style auf die Tracklist des DJs geschafft. Mein absoluter Lieblingssong der Nacht war hingegen Angreji Beat von Yo Yo Honey Singh (*was* für ein Name!) bzw. aus dem Film Cocktail.
Dank des dynamischen Basses konnte man jeden Beat nicht nur hören, sondern auch spüren :lol:. Einziger Minuspunkt: die Titel wurden eigentlich immer nur angespielt, meist natürlich der bekannte Refrain :roll:.

Meine Top 5 der mir bekannten Songs gespielten Tracks:

5. Dhinka Chika (Ready)

4. Hookah Bar (Khiladi 786)

3. Munni Badnaam Hui (Dabangg)

2. Sheila Ki Jawani (Tees Maar Khan)

1. Angreji Beat (bei 1:47 geht’s auch endlich los…Video aus Cockteil wird von Eros leider gesperrt)

…4 Songs aus Bollywoodfilmen, 1 Punjabi Hit, der aus nem BW Film stammt…nicht wirklich sehr repräsentativ für die aktuelle musikalische Hitparade des Punjabs :D.

Drachenläufer

Einige von euch kennen sicher Khaled Hosseinis Bestseller „Drachenläufer“. Wer nicht gern liest, kennt wiederum vielleicht die Verfilmung. Gleich zu Beginn wird gezeigt, wie Kinder mit Drachen spielen. Dabei geht es nicht so profan zu wie bei uns – hochsteigen lassen und ein wenig lenken – sondern es entbricht ein richtiger Wettkampf. Die Leinen sind mit feinem Glasstaub präpariert, so dass man die Schnur eines anderen Drachen mit viel Geschick durchschneiden kann. Der Titel des Buches bezieht sich wiederum auf Kinder, die den Drachen nachlaufen und sie als Trophäen einsammeln.

…und was wäre Lohri ohne eben jenen Wettkampf? Läufer gibt es hier keine, auch wenn es durchaus als Herausforderung gilt, einen Drachen mit der eigenen Leine einzufangen und damit dann weiterzuspielen. Hat man einen Gegner vom Himmel geholt, wird das mit viel Geschrei und Gejohle gefeiert. Die Geräuschkulisse am Wochenende (12.-13.01.) war dementsprechend :lol:.

Ich war mal wieder erstaunt, wie unfassbar billig manches hier ist. Da würde man annehmen, bei solchen Festen wird vielleicht der große Reibach gemacht – aber nichts da: ein Drachen kostet 2Rs….kein Wunder also, dass diese gleich stapelweise mit nach Hause geschleppt werden und ein Verlust leicht zu verkraften ist.
Gefertigt sind sie aus einfachem Pergament oder dünner Folie. Die Schnur ist extra zu kaufen und wohl auch das teuerste an der ganzen Sache (300Rs). Hält aber ewig und drei Tage und stellt eine gute Investition dar :lol:.
Hinzu kommen anschließend noch diverse Pflaster, denn so eine Schnur schneidet auch gut ins Fleisch :roll:.

Jammu oder nicht Jammu?

…Das ist hier die Frage!
Ich bin mit nicht sicher, wie präsent der aktuelle Konflikt zwischen Indien und Pakistan in den deutschen Medien ist. Ich nehme aber mal an, dass nicht viel darüber berichtet wird/wurde.
Vor ein paar Tagen kam es in Kashmir zu einem brutalen Vorfall seitens pakistanischer Terroristen (oder der Armee…so genau weiß das wohl keiner), bei dem zwei indische Soldaten getötet wurden. Von einem fehlt gar der Kopf :shock:.
Eigentlich gibt es seit gut einem Jahrzehnt ein Waffenstillstandsabkommen. An der Line of Control (LoC) stehen sich beide Parteien täglich bis auf die Zähne bewaffnet gegenüber und halten die Füße still. Der Angriff wird nun medienwirksam als Bruch des Abkommens dargestellt, wenngleich auch die pakistanische Seite moniert, es habe zuvor schon eine Verletzung des Abkommens durch die indische Armee gegeben. Auch wird gefordert, dass der verschleppte Kopf des Soldaten ausgehändigt wird – oder man ihn sich sonst selbst hole (auch hier wieder medienwirksam ein Grüppchen von 5 Leuten inszeniert, die die protestierende Meute darstellen soll :roll:).

Lange Rede, kurzer Sinn: wir wollten eigentlich gestern oder heute nach Jammu-Kasmir aufbrechen. Ziel wäre eigentlich der Vaishno-Devi-Tempel nahe Katra gewesen. Und wenn man schon mal auf dem Eck gewesen wäre, hätte sich auch Zeit für Sightseeing in und um Jammu gefunden. Doch ein Blick auf die Landkarte verrät: auch hier könnte es auf Grund der Nähe zu Pakistan im Fall des Falles kritisch werden. Die Nachrichtensender postieren ihre Reporter auch fein am Grenzbereich in Jammu und dokumentieren jede noch so kleine Bewegung auf eine dermaßen reißerische Art, dass man sich manchmal fragt, wo der Nachrichtengehalt abgeblieben ist (Bollywoodinteressierte kennen sicher die Art der Promi-News, anders schauen normale Nachrichten oft auch nicht aus 😦 ).

Um also auf die Ausgangsfrage zu antworten: Nicht Jammu 😦 .

…aber vielleicht sind wir auch alle froh, nach den steigenden Temperaturen hier nun doch nicht in die Kälte zu fahren…

Von Gol Gappa bis Aloo Tikki

Was macht man als erstes, wenn man in Indien ankommt? Richtig, man geht zum erstbesten Straßenstand und kultiviert den Magen-Darm-Trakt mit den hiesigen Erregern. So kann in den Wochen drauf kommen was will, es macht nichts aus.(*)
So ging es also am Dienstag (08.01.13) direkt zum Basar zu unserem Stamm-Gol-Gappa-Verkäufer in Nurmahal (Cheema Bazar für die Ortskundigen ;)). Eigentlich eher spontan, denn zu dieser kalten Jahreszeit (ha, ich sitze gerade in der Sonne und mir ist doch tatsächlich warm :D) ist Gol Gappa nicht gerade der angesagteste Snack für Zwischendurch. Daher dachten wir auch, dass der Stand gar nicht da wäre. Doch als wir am späten Nachmittag unsere Runde drehten, sprach uns gleich ein Bekannter an. Die kulinarische Vorliebe hat wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen :lol:.
Auf meiner Liste „Was ich unbedingt mal wieder essen möchte“ standen außerdem Aloo Tikki und Papri Chat.
Aloo Tikki sind eine Art Frikadellen aus Kartoffelbrei, frittiert in bestem Öl :roll:. Dazu ein paar frische Zwiebeln, grünes Chutney und ein wenig Raita (Joghurt). Hach herrlich! Und so schön heiß. Papri Chat ist ebenfalls (wie sollte es eigentlich auch anders sein?!) knusprig frittierter Teig, dazu ein wenig Palle (…weicher Teigklumpen), ein Gol Gappa, ein wenig Chutney, Raita und die obligatorischen Zwiebeln. Ebenfalls lecker, aber da kalt eher was für die warmen Tage.
Wer mal in Jalandhar unterwegs sein sollte, sei der Tikkiwala beim Rainak Bazar empfohlen, da gibt’s alles zu fairen Preisen (20Rs pro Portion) und vor allem frisch.

Tikkiwala beim Rainak Bazar

Tikkiwala beim Rainak Bazar


(*)Obige Anleitung gilt natürlich nur für Leichtsinnige, Wagemutige und Indienkenner. Ich würde mich – zumindest was die Straßenstände angeht – zur letzten Kategorie zählen. So langsam hat man ja seine Lieblingsstände, bei denen *klopf auf Holz* alles vernünftig abläuft. Ich möchte sogar behaupten, dass manches hier frischer ist als bei der ein oder anderen Fritten- oder Dönerbude in Deutschland. Gammelfleisch wird einem hier wohl kaum unterkommen :lol:.

Just chill chill, just chill…

07.01.2013
Dreißig Kilo pro Koffer sind schneller gepackt als man denkt. Auch die freundliche Dame am Check-in von Qatar Airways attestierte uns gutes Augenmaß. Pah! Ich will gar nicht nachzählen, wie oft die Koffer daheim auf die Waage rauf und wieder runter sind.
Der Flug war eigentlich ganz angenehm…sieht man mal davon ab, dass der Flieger in Doha kurz vor Aufsetzen auf der Landebahn durchstarten musste, weil der Wind zu stark war. Erinnerungen an verwackelte Youtube-Videos einer Lufthansa-Maschine im Anflug auf Hamburg von vor 2 Jahren kamen sicher nicht nur bei mir auf. Einmal tief durchatmen. Nach ner halben Stunde kamen wir dann auch endlich runter (was unweigerlich ja eh irgendwann passiert wäre *hüstel*)
Im Nachhinein muss ich sagen, bin ich heilfroh, dass wir uns für die Variante München-Doha-Delhi entscheiden haben. Die Stunde diesmal hat mir doch mal wieder gezeigt, wie schrecklich klein dieser Flughafen ist. 9 Stunden und es hätte Tote gegeben.
So ging es dann also das erste Mal nach Delhi. *Das* ist doch mal ein Flughafen. Die Immigration ist zwar auch hier nicht weniger unfreundlich – da hilft auch der gute Vorsatz „ich lächle diesmal alle in Grund und Boden, statt mich von der Grimmigkeit anstecken zu lassen“ wenig.
Die Gepäckausgabe war lobenswert schnell. In Amritsar dauert es gefühlt ja immer eine halbe Ewigkeit bis das Gepäckband überhaupt zu drehen beginnt. So waren wir mit allem drum und dran schon nach ner halben Stunde draußen.
Und das ist mein Stichwort: draußen! Draußen ist es kalt (vor allem 3Uhr nachts in Delhi), um nicht zu sagen saukalt. Den Temperaturen nach zwar nicht kälter als in Deutschland – nur hat man da bekanntermaßen beheizte Räume. Da man hinterher immer schlauer ist als vorher, muss ich sagen: hättest du dir mal die dicken Schuhe eingepackt. Aber genug der Jammerei….rauf aufs Dach und ab in die Sonne (da lässt es sich aushalten) und just chill. In welcher Bedeutung, ob entspannen oder frösteln…das sei mal dahingestellt. Brrrrr.