Unvergessen (Gesichter Indiens – 3)

März 2012
Es gibt Momente, Situationen und Personen, die man nicht vergessen kann…
…eigentlich wollte ich zu den Hintergründen der „Gesichter“ nichts schreiben. Aber bei diesem kann ich nicht anders. Denn jeder Gedanke daran stimmt mich irgendwie traurig, zumindest aber immer nachdenklich.
Es ist der zweite Abend in Haridwar. Nach ein paar Runden auf dem Bazar und einem abendlichen Snack hielten wir für einen kurzen Moment Inne. Es war Zeit für das abendliche Aarti. Zum Har-ki-Pauri sind wir allerdings nicht nochmals gegangen. An jeder Ecke gibt es einen kleinen Schrein und entsprechende Andachten. Ich beobachtete einen älteren Herren dabei, wie er mit Gesang Shiva lobpreiste. Als ich mich umdrehte um weiterzugehen, fiel mir ein junger Mann auf. Er saß auf dem Boden und schaute in’s Leere. Unsere Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. Er sah meine Kamera und mit einer kleinen einladenden Handbewegung forderte ich mich auf, ein Foto von ihm zu machen. Ich nahm das Angebot gerne an.

Ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen, die Augen schauen lebendig...und doch ist das Schicksal dieses jungen Mannes sicher kein einfaches.

Ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen, die Augen schauen lebendig…und doch ist das Schicksal dieses jungen Mannes sicher kein einfaches.

Ich war gerade dabei mich gestikulierend zu bedanken und wurde für einen Moment abgelenkt (Familie, Familie, Familie!). Als ich mich wieder umdrehte, war er bereits vom Boden aufgestanden. Und ging fort. Ich verlor ihn sehr schnell aus dem Blick. Dieser Moment jedoch hat sich so ein meine Erinnerungen einbrannt…
…denn er ging nicht einfach weg, sondern er humpelte. Sein linkes Bein war verkrüppelt. Beim Fotografieren war es mir überhaupt nicht aufgefallen, saß er doch ganz entspannt im Schneidersitz, die Tasche vor sich platziert.
Er hat mich damit beeindruckt. Ein Thema in Indien, welches mich nie loslässt, ist die Armut und wie man ich damit umgehen soll. Gerade in Haridwar, wo jeder sein Seelenheil sucht, sieht man extrem viele Bettler. Alte, Kinder, Kranke. Aber auch „Normale“, die ihr „Bettelglück“ mal versuchen wollen. Ich bin jedes Mal auf’s Neue hin- und hergerissen zwischen Geben und Wegscheuchen. Was sind schon ein paar Rupien für mich? Aber was, wenn gerade dadurch das Betteln noch gefördert wird? Mit meinen paar Rupien ändere ich schließlich kein Leben…
Er hat mich beeindruckt, weil (und das mag vielleicht blöd klingen) er nicht gebettelt hat. Weil er mich zum Foto aufgefordert hat ohne jegliche Gegenleistung. Und es tut mir leid, dass ich so ignorant war in dem Moment und seine sicher schwere Situation nicht erkannt hatte. Mich nicht mal ordentlich bedanken konnte. Ob mit Worten oder mit Geld.
Zu schnell trennten sich die Wege wieder…
😦

Gesichter Indiens – 2


Nachdem wir das Nanke hinter uns gelassen und uns auf den Heimweg gemacht hatten, sahen wir am Straßenrand diesen Mann bei der Arbeit. Der Blick starr und angestrengt, konzentriert darauf keinen Fehler zu machen. Es ist kurz nach 12Uhr, der Schweiß steht ihm auf der Stirn. Aber nicht nur wegen der indischen Temperaturen, auch seine Arbeit ist schweißtreibend.
Der ein oder andere Indienkenner weiß vielleicht, was er dort macht. Alle anderen werden im nächsten Post aufgeklärt werden 😉