I don’t like Cricket 2 …

…I love it nachwievor. Zwar hat die IPL dieses Jahr nen äußerst faden Beigeschmack – diversen Mauscheleien sei dank. Aber da geht es den Menschen wie den Leuten – in welchem Sport wird heute nicht mehr manipuliert?

Da lob ich mir doch das gute alte Street Cricket. Platz dafür gibt’s überall. Ob – wie der Name schon sagt – auf der Straße oder den großen Dächern der Stadt. Die Fensterscheiben der Nachbarn sollten allerdings bruchsicher sein – oder die Spieler schnell zu Fuß 😀 Sein ganz eigenen Regeln hat es noch dazu. 😆

Im März 2012 hatte ich jede Menge Spaß mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Und sie hoffentlich auch :).

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I don’t like Cricket…

…I love it! 😆

Aus diesem Grund war ich auch Feuer und Flamme, als wir im letzten Frühjahr pünktlich zur IPL (Indian Premiere League) in Indien waren. Heute vor einem Jahr saß ich abends im Cricketstadion von Mohali und sah, wie sich die Kings XI Punjab gegen die Pune Warrios India schlugen. Um das Endergebnis vorweg zu nehmen: sie haben gewonnen :D.

Bereits am Vormittag waren wir in Chandigarh, um zunächst einmal die online gekauften Karten abzuholen. Der Verkaufsstand hatte wohl gerade so den Sturm überlebt, der ein paar Tage zuvor nachts über den Punjab gefegt war.
Kings XI Punjab Ticket Counter

Also Tickets geholt und den Rest des Tages noch ein wenig mit Shoppen verbracht. Der Herr des Hauses war eh noch auf der Suche nach ein bisschen Cricketzeugs und ich hätte gern noch ein neues offizielles KXIP-Shirt gehabt. Das war aber ein Ding der Unmöglichkeit. Prinzipiell gab es Shirts – aus der Vorsaison, gefälscht…aber leider nicht das, was ich suchte. Letztlich haben wir uns dann bei einem fliegenden Händler Shirts geholt – man muss ja schließlich dem Anlass entsprechend gekleidet sein…

Nachdem wir die Mall im Sektor 17 komplett abgegrast hatten, fuhren wir Richtung Mohali. Einen Parkplatz fanden wir direkt vor dem Stadion und nach ein wenig Geplänkel mit der Polizei (wozu hat man einen Schwager, der die Karriereleiter bei dem Verein schon gut hochgefallen ist und den man dann einfach mal im Gespräch erwähnt?) stand dem Abstellen des Autos nichts mehr im Wege. Na immerhin musste kein Bakshish fließen. 🙄

Das nächste Hinderniss war dann die Taschenkontrolle. Meine große Kamera hatte ich schon extra im Auto gelassen, das Handy musste nun hinhalten. Aber das man auch kein Kleingeld in den Taschen haben sollte, oder ein Deo (Hallo!? Bei 30° C ist das eine Lebensnotwendigkeit!)…nun gut. Waren wir um eben jene Sachen dann ärmer. Drinnen war es dann noch recht leer. Wir hatten Plätze im Nordblock. Ich hätte ja lieber in der Menschenmenge gesessen, eben dort, wo die Stimmung gemacht wird. Aber man(n) wollte lieber in Ruhe das Spiel genießen. Sei es drum.

Zur Einstimmung war Miss Pooja im Stadion. Allerdings konnte bei den dann noch halbleeren Rängen nicht viel Stimmung aufkommen. Wir waren unterdessen auf der Suche nach Getränken und Snacks. Schwieriger als Gedacht. Denn in dem Abschnitt, in dem wir reingelassen wurden und unsere Plätze waren, gab es – ausser später in der Pause zwischen den Innings – keine Verkaufsstände. Die erste „Halbzeit“ war also recht trocken. Tztztz.

Während des Spiels (welches nicht wirklich spannend war – und ich verweise nochmal auf den ersten Satz oben! – gesellte sich noch ein Engländer zu uns. Mark, geschätzte Anfang-Mitte 30, war speziell für die IPL nach Indien gekommen. Für die komplette Saison hatte er sich frei genommen und reiste nun ca. alle 2 Tage in eine andere Stadt, um sich sowohl Spiel als auch Indien im Schnelldurchlauf anzuschauen. Interessant. Zwischendurch war er fleissig mit seinem Smartphone beschäftigt und wenn ich nicht völlig falsch liege, finanzierte er sich den ganzen Spaß (auch) mit Wetten :D.

Wie bereits schon erwähnt, gewannen die Kings XI Punjab. In einem eher langsamen Spiel mussten sie gerade mal 116 Runs holen *schnarch* – was sie auch recht gut hinbekamen.
Highlight war aber – unerwartetermaßen – Preity Zinta. Ihres Zeichens Schauspielerin und Eigentümerin der Gewinnermannschaft. In der Pause rannte sie einmal komplett um’s Feld und warf (schätzungsweise) Shirts in die Menge. Wir saßen allerdings zu weit weg. Nett anzusehen war’s trotzdem. 😀

Cricket (wie auch jeden anderen Stadionsport) schau ich aber nun doch lieber am TV (oder direkt am Spielfeldrand, wie beim regionalen Cricket hier in München) – da sieht man wenigstens alles und hat jederzeit Wasser zur Hand :lol:.

Eine tolle Erfahrung und ne super Stimmung (nachdem das Stadion dann voll war) war es aber allemal. 😀

 

Es grünt so grün…

…das grüne Gras.
Gras
Auf einem benachbarten Grundstück fiel mir Anfang Februar dieses zunächst unscheinbare Grünzeug in’s Auge. Man würde auch einfach Unkraut dazu sagen ;).
Lustig einerseits, erschreckend allerdings, wenn man solche Berichte aus dem Punjab liest:

http://www.dw.de/drogenepidemie-in-punjab/a-16687864

Ende 2012 kam eine offizielle Studie der örtlichen Regierung zu dem Schluss, dass in bis zu 67 Prozent aller ländlichen Haushalte im Punjab mindestens ein Drogensüchtiger lebt.

In diesem Sinne: Keine Macht den Drogen! 😡

Republic Day

Am 26. Januar wird alljährlich in Indien der Tag der Republik gefeiert. An diesem Tag trat 1950 die indische Verfassung in Kraft. In Delhi gibt es dann ne ordentliche Militärparade – man zeigt, was man hat :roll:.

In Nurmahal gibt es solch eine Parade nicht, dafür wird von den Schulen ein kleines Programm zusammengestellt. Fand ich auch viel ansprechender.
Republic Day 2013
So wurde fleißig getanzt, gesungen und auch ein wenig Politik, religiöse Pseudogeistliche und auch das Problem der Korruption durch den Kakao gezogen. Wohlgemerkt durch die Kids :lol:.

Mein Highlight war allerdings eine kleine Tanzgruppe aus einem Kindergarten. Diese dürften zu Zoobi Doobi aus ‚3 idiots‘ ihre Choreographie zum Besten geben – zum Schießen! 😆
Zoobi Doobi beim Republic Day

Und für die, die das Lied nicht kennen:

Drachenläufer

Einige von euch kennen sicher Khaled Hosseinis Bestseller „Drachenläufer“. Wer nicht gern liest, kennt wiederum vielleicht die Verfilmung. Gleich zu Beginn wird gezeigt, wie Kinder mit Drachen spielen. Dabei geht es nicht so profan zu wie bei uns – hochsteigen lassen und ein wenig lenken – sondern es entbricht ein richtiger Wettkampf. Die Leinen sind mit feinem Glasstaub präpariert, so dass man die Schnur eines anderen Drachen mit viel Geschick durchschneiden kann. Der Titel des Buches bezieht sich wiederum auf Kinder, die den Drachen nachlaufen und sie als Trophäen einsammeln.

…und was wäre Lohri ohne eben jenen Wettkampf? Läufer gibt es hier keine, auch wenn es durchaus als Herausforderung gilt, einen Drachen mit der eigenen Leine einzufangen und damit dann weiterzuspielen. Hat man einen Gegner vom Himmel geholt, wird das mit viel Geschrei und Gejohle gefeiert. Die Geräuschkulisse am Wochenende (12.-13.01.) war dementsprechend :lol:.

Ich war mal wieder erstaunt, wie unfassbar billig manches hier ist. Da würde man annehmen, bei solchen Festen wird vielleicht der große Reibach gemacht – aber nichts da: ein Drachen kostet 2Rs….kein Wunder also, dass diese gleich stapelweise mit nach Hause geschleppt werden und ein Verlust leicht zu verkraften ist.
Gefertigt sind sie aus einfachem Pergament oder dünner Folie. Die Schnur ist extra zu kaufen und wohl auch das teuerste an der ganzen Sache (300Rs). Hält aber ewig und drei Tage und stellt eine gute Investition dar :lol:.
Hinzu kommen anschließend noch diverse Pflaster, denn so eine Schnur schneidet auch gut ins Fleisch :roll:.

Happy Lohri!

image
…auf geht’s zum Drachensteigen, Erdnüsse mampfen, Verwandte besuchen, Geschenke verteilen (und bekommen :lol:) und den Kindern beim Singen zuhören (hat ein wenig was von Sternsängern….von Tür zu Tür…).
In diesem Sinne: Happy Lohri!

Unvergessen (Gesichter Indiens – 3)

März 2012
Es gibt Momente, Situationen und Personen, die man nicht vergessen kann…
…eigentlich wollte ich zu den Hintergründen der „Gesichter“ nichts schreiben. Aber bei diesem kann ich nicht anders. Denn jeder Gedanke daran stimmt mich irgendwie traurig, zumindest aber immer nachdenklich.
Es ist der zweite Abend in Haridwar. Nach ein paar Runden auf dem Bazar und einem abendlichen Snack hielten wir für einen kurzen Moment Inne. Es war Zeit für das abendliche Aarti. Zum Har-ki-Pauri sind wir allerdings nicht nochmals gegangen. An jeder Ecke gibt es einen kleinen Schrein und entsprechende Andachten. Ich beobachtete einen älteren Herren dabei, wie er mit Gesang Shiva lobpreiste. Als ich mich umdrehte um weiterzugehen, fiel mir ein junger Mann auf. Er saß auf dem Boden und schaute in’s Leere. Unsere Blicke trafen sich für einen kurzen Moment. Er sah meine Kamera und mit einer kleinen einladenden Handbewegung forderte ich mich auf, ein Foto von ihm zu machen. Ich nahm das Angebot gerne an.

Ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen, die Augen schauen lebendig...und doch ist das Schicksal dieses jungen Mannes sicher kein einfaches.

Ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen, die Augen schauen lebendig…und doch ist das Schicksal dieses jungen Mannes sicher kein einfaches.

Ich war gerade dabei mich gestikulierend zu bedanken und wurde für einen Moment abgelenkt (Familie, Familie, Familie!). Als ich mich wieder umdrehte, war er bereits vom Boden aufgestanden. Und ging fort. Ich verlor ihn sehr schnell aus dem Blick. Dieser Moment jedoch hat sich so ein meine Erinnerungen einbrannt…
…denn er ging nicht einfach weg, sondern er humpelte. Sein linkes Bein war verkrüppelt. Beim Fotografieren war es mir überhaupt nicht aufgefallen, saß er doch ganz entspannt im Schneidersitz, die Tasche vor sich platziert.
Er hat mich damit beeindruckt. Ein Thema in Indien, welches mich nie loslässt, ist die Armut und wie man ich damit umgehen soll. Gerade in Haridwar, wo jeder sein Seelenheil sucht, sieht man extrem viele Bettler. Alte, Kinder, Kranke. Aber auch „Normale“, die ihr „Bettelglück“ mal versuchen wollen. Ich bin jedes Mal auf’s Neue hin- und hergerissen zwischen Geben und Wegscheuchen. Was sind schon ein paar Rupien für mich? Aber was, wenn gerade dadurch das Betteln noch gefördert wird? Mit meinen paar Rupien ändere ich schließlich kein Leben…
Er hat mich beeindruckt, weil (und das mag vielleicht blöd klingen) er nicht gebettelt hat. Weil er mich zum Foto aufgefordert hat ohne jegliche Gegenleistung. Und es tut mir leid, dass ich so ignorant war in dem Moment und seine sicher schwere Situation nicht erkannt hatte. Mich nicht mal ordentlich bedanken konnte. Ob mit Worten oder mit Geld.
Zu schnell trennten sich die Wege wieder…
😦

Rishi, oh Rishi!

März 2012
Einen Katzensprung entfernt von Haridwar liegt Rishikesh. Bei den hiesigen Straßenverhältnissen (die gar nicht mal soooo schlecht sind) schafft man die knapp 20km in gut 45 Minuten 🙄 .
Nach dem kühlen Bad am Abend zuvor ging es am Morgen gleich dorthin. Ziel waren die Tempelanlagen auf der anderen Seite des Ganges. Am Vormittag ging es noch recht beschaulich bei den kleinen Fährbooten zu, am Nachmittag drängelte sich das Fußvolk jedoch gewaltig. Glücklicherweise gibt es auch eine Brücke für die weniger Gehfaulen (im Bild oben rechts zu erkennen):

Gedrängel am Bootssteg

Gedrängel am Bootsteg

Von der Stadt selbst habe ich nicht viel gesehen und kann daher nicht beurteilen, wie wuselig es hier im Vergleich zum (am Abend) überrannten Haridwar zugeht. Es kam mir alles aber irgendwie ruhiger vor. Vielleicht auch, weil wir bei bestem Wetter einfach den Tag genießen konnten, ohne Hektik. Da war auch mal wieder Zeit für ein nen leckeren Zuckerrohrsaft. Anders als der Saftverkäufer in Jalandhar wurde hier allerdings mit harter Handarbeit der Saft aus den Rohren gepresst. Wie man an den Bildern sehen kann, steht der Stand in der prallen Sonne. Und ob der Junge schon so alt ist, dass er statt zur Schule zu gehen, auf der Straße etwas verkaufen sollte….da bin ich mir nicht ganz so sicher 😦 .


Gestärkt nach dem Mittag schlichen wir durch die endlosen Gassen. In den diversen Ashrams war wohl gerade Mittagsruhe, zumindest war auch dort nicht viel los/nicht viel zu hören. So blieb genügend Zeit, eben jene in Ruhe abzuschreiten, die unterschiedlichsten Statuen von Göttern oder Episoden aus diversen Geschichten zu betrachten. Na, wer erkennt sie alle? 😉

Weg mit den Sünden!

Ende März
Heute geht es nach Haridwar. Auch Rishikesh steht morgen noch auf dem Plan.
Nach einer schier endlosen Fahrt (und dabei war sie deutlich kürzer als seinerzeit nach Dharamsala) sind wir endlich da. Zwischendurch hat sich der Fahrer ein wenig vertan. So fuhren wir irgendwo im nirgendwo (Uttarakhand) durch eine Kleinstadt mit engen Gassen und viel zu vielen Verkehrsteilnehmern. Es passen nun mal nicht zwei Autos nebeneinander :roll:. Hier bekam ich zur Abwechslung auch mal das muslimische Gesicht Indiens zu sehen (keinerlei Bewertung ;)) Und es zeigt sich mal wieder, dass es auch Orte gibt, an denen alle miteinander nebeneinander leben können :D.
Am Nachmittag erreichen wir dann den Ganges. Es wimmelt noch nicht vor Menschen –  das war bei einer heiligen Pilgerstätte anders zu erwarten. Unser Hotel liegt direkt an der „Promenade“. Vom 3. Stock aus hat man auch einen wunderbaren Ausblick.
Am ersten Abend gehen wir auch direkt zum Aarti am Ganges, genau genommen zu Har-Ki-Pauri. Auch wenn die Temperaturen an sich Ende März tagsüber schon ganz ordentlich sind und auch die Nächte nicht mehr kalt: mein kleiner Zeh verrät mir: Das Wasser ist es umso mehr.
Was mich mal wieder stört – es wird wie immer versucht, den großen Reibach zu machen. Am Flussufer warten alle auf den Beginn der abendlichen Zeremonie. Doch zunächst gehen – wenn auch offizielle – Spendensammler durch die Reihen und locken den Menschen ihr Geld aus den Taschen. An sich natürlich nicht schlimm, es kann ja jeder selbst entscheiden, ob er etwas gibt und wieviel. Aber es riecht doch sehr nach Geschäft. Wenig intim wird dann auch noch groß herausposaunt, wer was gibt, damit auch ja der nächste dazu angeregt wird etwas zu geben. Sehr unheilig in meinen Augen :(.
Aber nun gut. Wir schreiten die kleinen Tempel am Ufer ab und erreichen mit Blumengabe den Fluss. Plötzlich schallt aus Lautsprechern Om Jai Jagdish. Ein paar Schellen erklingen und viele stimmen in den Gesang mit ein. Mehrere Helfer legen die Blumen im (kalten!) Wasser stehend vorsichtig auf die Oberfläche. Die Strömung reißt sie jedoch sofort mit und weg sind sie. An anderer Stelle werden offene Aarti-Flammen geschwenkt. Die Luft wird immer dicker, der Himmel ist voller Rauchschwaden.
Wir gehen ein wenig weiter und erreichen eine Stelle, an der man mehr oder minder ungefährdet selbst in die kühlen Fluten springen kann. Die Damen natürlich in voller Montur. Die nassen Sachen ziehen mich dabei noch mehr in’s Wasser und nur mit Mühe kann ich mich an dem Seil im Wasser halten. Schnell abtauchen! Befreiung von den Sünden.
Wie erwartet ist eiskalt. Aber den Preis muss man wohl bezahlen ;).