I don’t like Cricket 2 …

…I love it nachwievor. Zwar hat die IPL dieses Jahr nen äußerst faden Beigeschmack – diversen Mauscheleien sei dank. Aber da geht es den Menschen wie den Leuten – in welchem Sport wird heute nicht mehr manipuliert?

Da lob ich mir doch das gute alte Street Cricket. Platz dafür gibt’s überall. Ob – wie der Name schon sagt – auf der Straße oder den großen Dächern der Stadt. Die Fensterscheiben der Nachbarn sollten allerdings bruchsicher sein – oder die Spieler schnell zu Fuß 😀 Sein ganz eigenen Regeln hat es noch dazu. 😆

Im März 2012 hatte ich jede Menge Spaß mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Und sie hoffentlich auch :).

Advertisements

Auf stillen Pfaden

Anfang März. Der Wecker klingelt. Es ist 5:30Uhr. Ich habe mir vorgenommen, morgens die Milch zu holen. Spätestens um 6:30Uhr muss ich los…zumindest solange hier noch „Winterzeit“ herrscht. In ein paar Wochen heißt es: noch eine Stunde früher los.
„Wie jetzt? Milch holen? Der Supermarkt macht doch vor 8Uhr nicht auf.“ mag der ein oder andere jetzt denken. Und es stimmt. Der Milchhändler um die Ecke, der auch täglich zum Beispiel frischen Paneer (Käse) herstellt, hat seine Rollläden noch lange nicht hochgefahren.
Nein, es geht um frische Milch. Frisch aus dem Euter in die Milchkanne. Die trinkt man natürlich nicht einfach so. Aufkochen, abkühlen, Rahm abschöpfen, vielleicht noch einen Lassi zubereiten oder selbst Paneer herstellen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Wichtig aber: sie muss frisch sein.
Milch im Tetrapak? Gibt’s nur in der Werbung. Joghurt im Becher? Gibt’s nur in der Werbung….etc pp. Warum teuer kaufen, wenn es günstig selbst gemacht wird (oder zumindest günstig beim Joghurt-Spezialisten um die Ecke gekauft werden kann)…?
Aber zurück zum eigentlich Thema: Es ist nun kurz vor 6Uhr. Draussen ist es noch recht kühl. Eine Decke und eine Mütze machen aber auch den morgendlichen Spaziergang ganz angenehm.
Die Straßen sind noch leer. Straßenhunde liegen zusammengerollt vor den Haustüren, schenken sich gegenseitg Wärme. Hier und da ertönt eine Hupe. Wer nicht zu Fuß geht, kommt mit dem Roller. Nach knapp 20 Minuten bin ich beim Milchbauern angelangt. Nicht alleine, es warten schon einige Herrschaften. Aber nicht lange und ein großer Eimer warm dampfender Milch steht bereit und die kleinen Milchkannen der Kunden werden befüllt.
22 Rupien kostet ein Kilo Milch. Das sind ca. 30 Cent.
Der Weg zurück ist dann oft schon hektischer. Es sind bereits mehr Menschen unterwegs. Mehr Autos und Motorräder. Auch die ersten Händler haben ihre Geschäfte eröffnet.
Und so freue ich mich auf den nächsten nebligen Morgen, an dem die Straßen wieder so leer sein werden und die Stille alles übertönt:

Und taeglich gruesst…

…nein, nicht das Murmeltier, sondern der Pandit. Wir haben das unschaetzbare Glueck, dass im direkten Umkreis unseres Hauses zwei Mandir und ein Gurdwara liegen. Zum guten Ton jeder dieser Einrichtungen gehoert es, auf dem Dach einen Riesenlautsprecher zu haben, mit dem die Nachbarschaft beschallt werden kann. Schliesslich hat nicht jeder Zeit hinzugehen, hat aber somit auch etwas vom Aarti und Co. Weiterlesen

Echte Handarbeit

Blechernes Trommeln hallt durch die kleine Gasse in Jalandhar. Leises metallisches Klopfen drängt sich zwischen die Pausen. Männerstimmen mischen sich unter die Geräuschkulisse. Mit dem Rhythmus der Schläge vermischen sie sich zu Melodien. Auf Punjabi wird geredet und gesungen – und gearbeitet.
Ich laufe durch eine kleine Straße unweit des großen Stoffbazars in Jalandhar. Die Dämmerung hat schon begonnen, die Dunkelheit erobert die Straßen. Wir sind auf dem Weg zu einem bekannten Stoffladen. Diese Gasse ist eine Abkürzung. Auch wenn mir das in meiner Orientierungslosigkeit auch nicht weiter hilft. Ich höre, wie ein Hammer auf Metall trifft, ein Meißel sich seinen Weg bohrt. Ich wage einen Blick hinein in die Werkstatt, in der so fleißig gearbeitet wird: Weiterlesen

Wenn’s aus dem Wasserhahn tropft…

…dann ist der Tank wohl leer.
Vielerorts im Punjab (und sicherlich auch andernorts) steht auf den Dächern oder in den Höfen solch ein Tank

In Nurmahal kann dieser 2x täglich befüllt werden. Morgens und abends ab 6 Uhr fließt durch die zentralen Rohre Wasser. Allerdings befüllt sich dieser Tank nicht von alleine – der Hahn muss schon noch aufgedreht werden (und auch wieder abgedreht werden – sonst plätschert es so schön von oben runter). Blöd nur, wenn mal eben jenes Aufdrehen vergessen wird. Kann mal vorkommen. Sollte aber besser nicht. Denn bei den hochsommerlichen Temperaturen nachts ist so ein bisschen Wasser, frisch gekühlt von den lauen Morgengraden doch mehr als ein angenehmer Start in den neuen Tag.
Weiterlesen

Jan Lokpal

Nein, Jan Lokpal ist nicht  der neue Star aus Bollywood oder ein norddeutscher Zugführer. Jan Lokpal (‚j‘ bitte Englisch aussprechen) heißt auf gut Deutsch „öffentlicher Ombudsmann“.
Zum genauen Hintergrund hilft Tante Google oder Onkel Wiki sicher weiter.
Ich kürze es kurz ab: seit den 60er Jahren wird in Indien immer wieder versucht ein Gesetz gegen die erschreckende Korruption unter Politiker, Bürokraten und Co. durchzubringen. Immer wieder ist dieses Gesetz gescheitert, wurde verbessert, ist wieder gescheitert…
Dank ‚Anna‘ Hazare, seinem Hungerstreik und sozialen Medien ist die Regierung nun soweit, dass Gesetz in einer neuen, verbesserten (!?) Form durchzubringen. Widerwillig. Aber es bleibt ihr nichts anderes übrig, will sie nicht selbst weiterhin als korrupter Haufen da stehen.
Eine unabhängige Behörde soll geschaffen werden, die alle Minister, Abgeordneten und Beamten überwachen soll. Sowie Ombudsmänner in allen 29 Staaten eingesetzt werden, die darüber wachen.
Aber kann so ein Gesetz, dass inbesondere die Korruption in den „oberen“ Ebenen bekämpfen soll, diese tief in der Gesellschaft verwurzelte Institution überhaupt eindämmen? Innerhalb von 2 Jahren soll ein angezeigter Fall von Korruption durch das entsprechende Verfahren abgeschlossen werden.

Was bringt das dem kleinen Bürger, der an jeder Ecke ein paar Rupien parat haben muss?
Wenn man bedenkt, was allein im Alltag und Straßenverkehr an Geld gezahlt wird, für Vergehen, die nicht begangen wurden: die Glasscheibe ist zu dunkel, der Spiegel nicht sauber genug – 100Rs hier, 100Rs da. Du brauchst einen Führerschein? Für den Antrag schon mal ein paar Rupien bereithalten – dann wird er auch angenommen. Ja, nicht nur nicht langsam bearbeitet. Er wird überhaupt bearbeitet.
Wenn selbst von 1 Milliarde Inder täglich nur 1%  korrupten Beamten begegnet, sind das 10 Millionen Menschen. Täglich. Wenn davon abermals nur 1% die unsägliche Korruption zur Sprache bringt, sind das 100.000 Fälle, die zu bearbeiten sind. Täglich. Der Kollaps des Systems wäre vorprogrammiert. Der Unmut der Bevölkerung, die sich gerade aktiv einbrachte und sich eine Verbesserung wünscht, wäre jetzt schon zu hören. Aber so weit nach unten zielt das Ganze ja scheinbar nicht.

Es geht um die großen Fische. Politiker. Leute in gewissen Positionen.
Der kleine Mann wird weiterhin seine 100Rs hier, 100Rs da zahlen. Der, der nichts hat, wird weiterhin nicht die Möglichkeit haben, etwas aus sich zu machen. Ohne der richtigen Summe an Schmiergeld für Genehmigung, Zulassungen oder sonstigem.

Vielleicht bin ich da auch einfach zu pessimistisch. Aber die 3 Begegnungen mit grimmig dreinschauenden Polizisten, die ganz offenkundig nur eines wollten – nämlich unser Bestes, also unser Geld –  glaube ich nicht, dass sich durch ein Gesetz von oben „unten“ etwas ändern wird.