Ra.One

Ra.One ist derzeit auf Kinotour durch ein paar deutsche (Groß)Städte und so habe ich es mir nicht nehmen lassen, ihn mir im Kino anzusehen. Wobei das Rottmanns, in dem so gut wie alle indischen Filme hier laufen, das Wort „Kino“ nur auf Grund der Attribute „Leinwand“, „Saal“, „Popcorn“ und „Sound aus Lautsprechern“ verdient. Dass die Leinwand relativ klein ist und nen Grauschleier hat, der Saal ebenso winzig ist (es gibt sicherlich noch kleinere, wie das hiesige Museum Lichtspiele), das Popcorn alt ist und der Sound dermaßen blechern klingt und vielleicht 2.1 ist, trägt zum Filmgenuss nicht gerade bei.
So kann ich mir durchaus vorstellen, dass im eigenen Heimkino mit ordentlichem Sound und strahlenden Farben der Film durchaus „nett“ sein kann. Werde es testen, wenn die DVD raus ist.

Umgehauen hat mich Ra.One wahrlich nicht (schlechtes Kino hin oder her!). Die erste Hälfte ist dermaßen abgehackt zusammen geschnitten, dass ich mich zwischendurch gefragt habe, warum man sich bei dem Budget nicht noch ein paar Rupien für einen ordentlichen Editor aus den Rippen leiern konnte… Sicherlich gibt es einige, die sich den Film mehr als einmal ansehen und daher die „Sprünge“ verstehen. Die Aneinanderreihung der Szenen soll sicherlich für ein gutes Tempo sorgen – der Film nimmt auch schnell an Fahrt auf -, aber einen Spannungsbogen aufzubauen vermag dieser Stil nicht. Hat mir gar nicht gefallen. Die zweite Hälfte ist da um einiges harmonischer und springt nicht ständig hin und her, die Szenen sind nicht einfach (bis auf ein paar Ausnahmen) aneinander geklatscht, sondern bringen die Story auch voran.
Dass bei dem schlechten Editing auch Logiklöcher auftauchen, ist vielleicht nicht schlimm…vergrößert das Filmerlebnis aber auch nicht.
Aber nun mal zum Positiven: Kareena und Shahrukh haben eine tolle Chemie. Die Charaktere sind so gegensätzlich angelegt (Retro-Fan vs. High-Tech-Geek), dass sie sich sprichwörtlich anziehen. Der Kinderdarsteller (Name?) ist angenehm in seinem Spiel und bringt die Begeisterung eines Kids für PC-Spiele gut rüber. Die Special-Effects sind ganz ok, an einigen Stellen sogar sehr gut. Aber das oft bemühte „wie in Hollywood“ kann man hier wahrlich nicht anbringen. Insbesondere eine Sequenz am Anfang des Films sah nach meinem Empfinden recht billig aus. Nach all dem Hype um die superduper Effekte hätte vielleicht gerade der Einstieg besser gestaltet werden dürfen. Als „Entschuldigung“ kann man sicherlich anbringen, dass diese Szene mit Cameos von Priyanka Chopra und Sanjay Dutt erst sehr spät gedreht wurde. Aber sorry, dann soll man es halt sein lassen.
Apropos Cameo. Rajinikanth, Südindiens Superstar, hat auch einen kurzen Auftritt und ich habe mich schon im Kino gefragt: wozu? Der Mann hatte zuvor eine schwere Erkrankung hinter sich – und fit sah er nun wirklich nicht aus. Sein Make-up im Enthiran Style ist nicht gerade gelungen und so wirkt das Ganze eher wie eine Bloßstellung, denn einer „Ehrerbietung“. Einzig Kareena rettet die eigentlich überflüssige Szene mit ihrer Reaktion. Die Lacher hatte sie zumindest auf ihrer Seite.
Noch was vergessen? Ach ja, Ra.One, Namensgeber des Films. Im Vorfeld wurde ein riesen Bohai um Arjun Rampals Look gemacht. Monatelang lief der Mann mit Mütze umher, damit auch niemand die Glatze sehen konnte. Und wozu das Ganze? Er hat eine gefühlte Screen-Time von 15 Minuten. Denn in der ersten Hälfte läuft Tom Wu als Ra.One durch die Gegend. Den Übergang in eine andere Gestalt (also Arjun) hätte man auch vorher schon einbauen können. Denn Arjun hat’s da schon drauf. Blick, Stimme und Körper – perfekt als Bösewicht.
Alles in allem hat der Film einiges an Möglichkeiten vergeben. Mich überzeugen die Effekte nicht immer. Für einen Film aus Indien ist es sicherlich ein Fortschritt. Aber manche Stellen hätten (noch) mehr Zeit gebraucht. Sie wirken einfach nicht fertig. Gerettet wird das Ganze wie gesagt nur durch seine Darsteller.
Schade.


Ra.One
Indien 2011

155min

Shah Rukh Khan
Kareena Kapoor
Tom Wu
Arjun Rampal

Cameos:
Sanjay Dutt
Priyanka Chopra
Rajinikanth
Amitabh Bachchan

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8 Gedanken zu „Ra.One

  1. Vielleicht kein überragendes Kinoerlebnis, aber immerhin kannste jetzt kompetent mitreden (im Gegensatz zu mir) ;-). Auf Arjun wäre ich schon neugierig, muss ich zugeben.
    Das mit den hollywoodmäßigen Effekten habe ich keine Sekunde lang geglaubt, vor allem weil die Einschätzung von Leuten kam, die nicht wirkliche SciFi-Freaks sind und nicht mal auf dem Laufenden sind, was aktuelle Comicverfilmungen angeht…
    Danke übrigens für deine Filmkritiken, ich lese sie alle mit Freude :-).

    • Kompetent aber nicht neutral :p So wird das nix … :p

      Schade, dass die Ernüchterung im Kino schon in den ersten Sekunden kam…sonst wäre ich vielleicht mehr zu begeistern gewesen (denn manche Effekte sind wirklich gut)…

      Na, im Sequel denn… :p

      • Lass mich raten: die Ernüchterung kam, als die überaus überzeugende Darstellung dieser *hust* neuen Technologie vorgestellt wurde, oder? 😉

        • Joar. Wobei ich mir da noch gedacht hab, dass das in 3D bestimmt nen schicken Effekt mit dem Hologram gibt. Aber als dann der Hintergrund bei der Manga-Motorad-Szene einfach nicht stimmig war, war ich dann ernüchtert :p (man sah den Szenen ihre „Unfertigkeit an“….da gab’s noch ein paar….zBsp. kurz vor der Intermission „Häuserwand“ …das war ganz schlechte CGI…)

          Es gab ja durchaus ein paar tolle Szenen, was die vfx angeht. Aber „für Indien“ kommt das alles „aus USA“ …
          Wenn der Film so selbstironisch wie die 2. 5 Minuten gelaufen wäre, hätte er mich sogar noch mehr unterhalten können (er hat es ja auch irgendwie auch….nur nicht so begeisternd, wie erhofft)…

  2. das kind heisst Armaan Verma .. nur der vollständigkeit wegen .. und der film sieht in 3D teilweise noch schlimmer aus, gerade die anfangsszene ist alles andere als technisch gut gelungen

    • Bhago!!!
      Naja, das Ende lässt ja prinzipiell ein Sequel zu. Ich frage mich nur, was man da dann für ne hahnebüchene Story zusammenklöppelt. Ra.One ist besiegt. Aber vielleicht entwickelt ja noch jemand aus reiner Habgier ein ähnliches Spiel und setzt dann den waaaaahren Ra.One frei?
      *grübel* Das Ramayana und Mahabarate gibt ja einiges her…vielleicht findet sich noch was….und vielleicht nimmt man sich dann die verplemperte Zeit für angenehme Effekte 😀

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