Wenn einer eine Reise tut…

…dann kann er was erleben!
Vieles schönes, aber vielleicht auch Dinge, auf die man gerne verzichten würde.

Der ein oder andere Indieninteressierte kennt ja den Spruch „Boil it, cook it, peel it – or forget it!“ (sieden, kochen, schälen oder vergessen)

Und ja – man sollte diesen Spruch wirklich beherzigen. Ansonsten kann das nach hinten losgehen (ja, beabsichtigtes Wortspiel ;))
Man sollte ihn auch beherzigen, wenn man nicht durch die Pampa tramt oder seine Liebe für Straßenstände entdeckt. Auch an anderer Stelle kann ein Nichtbeachten zum Verhängnis werden.

Wer sich erinnert, am 4.10. bin ich in Indien gelandet. 4 Tage voller Unbedarftheit mit leckerem Essen, filtriertem Leitungswasser (High-Tech-Filter) und ein paar Gol Gappas aus dem Shop um die Ecke…alles bestens.

Am 8.10. war aber gar nichts mehr super. Die Tage zuvor hat man die ein oder andere Magenverstimmung gerne auf die Umstellung, das scharfe Essen, den anderen Rhythmus geschoben. War ja alles nicht so wild.
Ja, aber Tag 5 war mehr als wild.

Um die Sache abzukürzen: ich habe in Indien viel gesehen. Auch ein Krankenhaus von innen (na, eigentlich 2).
Eine Erfahrung, auf die man als Pharmazeut gerne verzichten würde. Was sich Krankenhaus nennen darf, ist ja doch gerne nur ein besseres Lazarett.
Aber wenn Elotrans (Lösung bei Elektrolyt- und Wasserverlust) und Tannacomp nix mehr hilft, das Fieber nicht runter gehen will und der Körper ausser noch mehr Wasser nichts mehr hergeben will (und kann) – ja, dann muss man sich wohl in solch ein Krankenhaus begeben.
Die Diagnose war fix gestellt – eine Infektion (ach nee! wär ich nicht drauf gekommen), akute Dehydrierung, Brechdurchfall…das volle Programm.
Also hieß es: ran an den Tropf. Nach ein paar Medis zum Schlucken (wie optimistisch, als wenn sie drin bleiben würden!) gab es dann einen schicken Zugang ans Handgelenk und lecker Elektrolyte (Kochsalz, Glucose) i.v., gefolgt von lecker Breitbandantibiotikum.

Blöd nur, wenn sich der Zustand nicht bessert und die Hilfs-Doktoren, die nichts anderes machen als einen auf Hindi/Punjabi zu zutexten und den Puls zu messen – natürlich an der Stelle, wo die Nadel vom Zugang drin steckt – autsch!) so ziemlich keine Ahnung haben. Die Infusionen waren recht anstrengend (die verschiedenen Infusionen haben die Vene ganz schön arg gereizt und einzig die Aussicht „dass um 22Uhr die letzte Infusion kommt und wir dann eine Pause machen bis morgen früh“ ließ mich das durchhalten (ich bin ja sonst nicht weinerlich…aber so hilflos bin ich mir noch nie vorgekommen, trotz familiären Beistand).
Als dann aber ca. 10h Aufenthalt später, nach 6 Infusionen und kaum Besserung einer der achso begabten Doktoren meinte, mir noch ein weiteres Antibiotikum geben zu wollen (wo ich mich heute noch frage, wieso dieses und nicht das, was bei solchen Erkrankungen indiziert ist^^), platze Ravi dann die Hutschnur.
Eigentlich war die schon ein paar Stunden zuvor extremst eingerissen (also die Hutschnur ;)): mir war speiübel! Aber wo nix mehr drin ist, kann auch nichts mehr rauskommen. Dennoch ist es ja nicht so, dass es nicht auch gegen Übelkeit schicke Medis geben würde. Aber nein, ich solle doch lieber ein paar Schluck Limca (ähnlich wie Sprite) mit Salz (bäh!) trinken, um den Brechreiz auszulösen. Ich hab gedacht, ich hör schlecht. Blöd nur, dass auch mein Magen anderer Meinung war und es mir danach eher schlecht als recht ging – und dann auch endlich das gute Zeug durch meine Adern fließen durfte.
Selbst die Krankenschwester (von allen wohl die, die wirklich wusste, was sie da tat) empfahl ein anderes Krankenhaus.

Also hieß es um Mitternacht (nachdem das Fieber dann auf 38° runter war): auf geht’s. Macht schon Spaß in so einem Zustand auf nem Motorad durch die nächtliche Großstadt zu fahren. Endlich mal frische Luft!
Im 2. Krankenhaus kam man mir jetzt auch nicht so viel kompetenter vor… Das Fieber wird mit nem guten alten Thermometer gemessen. Soweit, sogut. Angabe in Fahrenheit. Aber auch einer °C Seite. Frag ich also nach der Celsius-Temperatur. –  Nein, die könne man mir nicht sagen, woher solle man das wissen, gemessen wird in Fahrenheit. *an die Stirn klatsch* Ein Blick auf’s Thermometer…
Mir ging es dann aber zusehendst besser. Vielleicht, weil die Medis endlich anschlugen – vielleicht aber auch, weil ich erleichtert war, aus dem 1. Krankenhaus raus zu sein.

Am nächsten Tag ging es dann noch mal in eine Art Privatklinik, mit einem tatsächlichen Facharzt (Gastroenterolog), der dann auch endlich das richtige Antibiotikum verschrieb *Daumen hoch für Dr. Arora*)

Tja…wenn einer eine Reise tut…

Übrigens – ich glaube bis heute nicht, dass es am Essen lag (die Gol Gappa waren zwar aus einem Geschäft, aber wirklich besser als ein Straßenimbiss war dies auch nicht) oder am „nur“ filtrierten Wasser.
Am Tag zuvor waren wir nämlich in einem großen Tempel am Rande von Nurmahal. Bisschen rumgeschaut, ein paar Fotos gemacht und auch ein bisschen gebetet. Dabei gibt es neben Prashad auch ein bisschen Wasser auf die Hand. Einen Teil trinkt man, den anderen streicht man sich über den Kopf. Wer schlau ist, trinkt nicht, tut nur so und schüttet sich alles auf’s Haupt.
Ich darf es ja gar nicht zu laut sagen – aber ich bin der Überzeugung, dass mir eben genau jenes Wasser zum Verhängnis wurde.
Die Gol Gappa, das Essen und Getränke daheim haben vielleicht ihren Teil mit beigetragen – aber das Mandir-Wasser hat das Fass zum Überlaufen gebracht (hach, was sind meine Wortspiele heute wieder toll…)

In diesem Sinne: Boil it, cook it, peel it – or forget it!

PS: Oder es war der liebe G0tt – ich hab es nämlich immer vor der Reise beschrien, dass ich in Indien einfach nen Schluck Wasser trink und dann rank und schlank nach Deutschland zurück komme… da hat er wohl etwas zu genau hingehört :-p

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2 Gedanken zu „Wenn einer eine Reise tut…

  1. Oh je, auf so eine Erfahrung kann man wohl dankend verzichten. Warst du etwa im Sarkari Hospital Nurmahal? Schock…
    Ich war nie in diesem Tempel, wird das Wasser aus dem Pool geschöpft und dann verteilt? So wird es nämlich im Goldenen Tempel in Amritsar gemacht, und dort leben Fische drin und es wird gebadet, also sicher keine Trinkwasserqualität 😉 Ich tu dann auch immer nur so als ob, obwohl ich sonst nicht zimperlich bin.
    Ist eigentlich dein Mann gesund geblieben?

  2. Pingback: [Indien] Ganne da rass – Prost! | Punjabi Travels Pvt. Ltd.

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